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Das Lächeln der Welt am Deutschen Eck
Mit dem Fahrrad am Rhein entlang nach Koblenz und mit dem Schiff auf dem Rhein zurück

Nicht jeder Urlaub führt in die Sonne und bei manch einem scheint es gut, dass er nur drei Tage währt. So lange jedenfalls sollte unsere Radtour von Niederkassel nach Koblenz und zurück dauern.

Verteilt auf 98 Km droht die Strecke mit lächerlichen 150 Höhenmetern; sehr vorteilhaft, wenn Kinder mitradeln. Mit Zelt, guter Laune und ein paar Isodrinks machten wir uns bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg zum Deutschen Eck.

 
Die Strecke führte uns direkt am Rhein entlang (ab Bonn linksrheinisch). Da wir unter der Woche fuhren, waren die Wege größtenteils frei, so dass selbst unser 8-jähriger ungefährdet und - zum Glück für Kleinkinder, Hunde und andere Lebenswillige - ungefährlich sein Tempo machen konnte. Die Zeit von Niederkassel bis Bonn verging schnell; trotzdem machten wir im Schatten der Weiden an der Uferpromenade unsere erste Rast. Hunger kommt irgendwie immer schneller als erwartet.

Auf Höhe Rolandsbogen nach ca. 35 Km passierten wir den ersten Campingplatz. Hier wäre ein Einkehren möglich gewesen, aber bis auf unseren jüngsten hatte noch niemand Lust, das Zelt aufzuschlagen. Die verbleibenden 15 Km bis zur "Goldenen Meile", dem Campingplatz in Remagen, bedurfte es allerdings eines ausgeprägten Motivationsprogramms für unseren Faulpelz, da ihm schlagartig hinter dem verschmähten Campingplatz Beine, Po und Arme schmerzten. Aber als er vor dem Pfeiler der Brücke von Remagen stand und sich erzählen ließ, wie die ersten Amerikaner zu Befreiung Deutschlands über diese Steine liefen, war sein Maulen versiegt - zumal wir wenige Meter danach schon die "Goldenen Meile" erreichten (direkt hinter der "Brücke von Remagen" die Straße rauf und in den ersten Weg links einbiegen).

Mit unseren Zelten direkt neben einem kleinen See und ca. 25,- Euro für uns vier waren wir gut und günstig für die Nacht aufgehoben - glaubten wir. Doch noch während wir im Restaurant des Platzes das nach knapp 50 Km wohl verdiente Abendessen genossen, platschten die ersten Tropfen auf den Weg.

Nach einer Nacht, die den Regen ins Kinderzelt und die Kinder zwischen uns getrieben hatte, packten wir morgens unser nasses Zeug zusammen und bestätigten uns gegenseitig, dass es "dahinten hell" würde.

 

Vielleicht hatten die Bauern zu sehr gejubelt, die Sonne jedenfalls zeigte sich nicht und ließ Wolken und immer wieder Regenschauern den Vortritt. Wacker fuhren wir weiter bis uns die Rheinpromenade bei Bad Breisig zum Absteigen zwang. Wir nutzten die Gelegenheit zur Kaffee-oder-Kakao-hauptsache-heiß-Pause und starrten trübselig auf den Rhein.

 

 

Plötzlich schob sich - ganz trocken, warm und einladend - ein KD-Rheinschiff ins Panorama und mir ging das Herz auf. Da jetzt reinsetzen, noch einen Kaffee und die nassen Socken aus - das wäre es! Aber dieser Meinung war ich leider alleine. Ich musste zusehen, wie das trockene Refugium ohne uns und unser nasses Gepäck Richtung Koblenz weiterfuhr und mich statt dessen auf den selben Weg begeben - radelnd.

Dem Schiff nachsehend prophezeite ich meine Vision vom abendlichen Zeltaufbau bei strömenden Regen. Und obschon ich keine magischen Fähigkeiten habe, lag ich damit gar nicht falsch.

Man kann ja nicht sagen, dass so ein Sommerregen kein Ende hat, und so fanden wir dann schon das eine oder andere Vergnügen an der wahrhaft schönen Strecke. Wenn es langweilig wurde, begannen wir Kinderlieder zu singen - erschreckend textunsicher -, und die Kinder fuhren Wettrennen. Gelegentlich mussten wir die Rheinuferstrecke verlassen, um auf Radwegen an der Straße entlang zu fahren, aber diese Abschnitte hielten sich weit in der Minderheit. Die meiste Zeit fuhren wir durch schöne, entspannende Natur, und wir waren fröhlicher Dinge, als wir abends in Koblenz ankamen. Gleich am Ufer, bevor die Mosel in den Rhein mündet, befindet sich der Campingplatz. Allerdings hatten wir noch nicht den Eingang passiert, als erneut ein heftiger Regen einsetzte. Wir flüchteten uns in das kleine Café des Platzes und beratschlagten, was zu tun sei.

Direkt gegenüber des Campingplatzes befindet sich die Festung Ehrenbreitstein, eine wunderschöne aber leider sehr hoch gelegene Burg, in der eine Jugendherberge integriert ist. Die Jugendherberge wäre eine Alternative zu der voraussichtlich feuchten Nacht gewesen, wenn der Weg dorthin nicht einmal durch die Stadt und dann ca. 150 Meter bergauf geführt hätte, und wenn unser Jüngster etwas stadtsicherer auf dem Rad gewesen wäre. (Tipp: Kurz vor Koblenz setzt eine Fähre zum anderen Ufer über, so dass man wenigstens den Stadtweg umgehen kann.)

Während unseres Grübelns hörte es schließlich doch auf zu regnen. Unter Bäumen versuchten wir uns und unsere Zelte vor möglichen Folgegüssen zu schützen - erfolgreich, wie wir wider Erwarten am nächsten Morgen feststellen mussten.

Gleich nach dem Frühstück fuhren wir mit einer Mini-Fähre über die Mosel zum Deutschen Eck und hatten endlich unser Ziel erreicht - das schien sogar die Sonne zu freuen, denn sie lachte für uns. Die Kinder erstürmten Kaiser Wilhelm - zumindest beinahe - und ließen sich das System der Bundesländer erläutern. Ich schielte unterdessen immer mal wieder ans Rheinufer, wo ein Schiff nach dem nächsten anlegte.

Vom Deutschen Eck aus schoben wir unsere Räder an Souvenierläden vorbei, prägten 5-ct-Stücke zu Gedenkmünzen und landeten schließlich direkt vor dem KD-Schalter. Interessehalber - natürlich ganz ohne radelfaule Absichten - informierte ich mich, ob auch Fahrräder auf den Rheinschiffen transportiert und was das kosten würde - unverbindlich natürlich. Dafür dass die Kinder schon vor Schifffahr-Vorfreude hüpften, konnte ich ja nichts.

Und da war es dann: Das Lächeln der Welt am Deutschen Eck. Nicht nur, dass die Dame am Schalter freundlich war, sie vertrieb auch gleich meine Gedanken an nasse Schlafsäcke und feuchte Schuhe und vor allem an eine Rückfahrt per Rad!

23,20 Euro pro Person sollte eine Fahrt nach Bonn kosten; die Kinder allerdings zahlten nur 3,- Euro und die Fahrräder wurden gar gratis transportiert - das war es uns wert, die Füße ins Trockene zu kriegen (Dienstags wären sogar zwei erwachsene Radfahrer zum Preis von einem transportiert worden – Radlertag bei der KD).

Frau Billig, die uns die Tickets der KD verkaufte, bot an, auf unsere bepackten Räder aufzupassen, die wir ihrem Schalter gegenüber am Geländer festschließen konnten, so dass wir ohne Weiteres noch Gelegenheit zu einem kleinen Altstadtbummel hatten, bevor das Schiff abfuhr.

 


Ihre Herzlichkeit war so wohltuend, dass ich Frau Billig darauf ansprach. Sie erzählte, dass sie sehr viel durch die Welt gereist sei. Überall habe man sie extrem freundlich empfangen. Und diese Herzlichkeit möchte sie gerne auch an Rheintouristen weitergeben - ein hehres Ziel perfekt umgesetzt.

 

 

Tatsächlich wurde die Schifffahrt zum Höhepunkt unserer kleinen Reise. Als hätte die KD sie bestellt, begleitet uns die ganzen dreieinhalb Stunden die Sonne. Die Zeit verbrachten wir damit, unsere Radtour revuepassieren zu lassen, denn zu jeder Brücke, zu jeder Wiese und zu jeder Flussbiegung fiel uns etwas ein: da waren wir, als der große Platzregen kam, da haben wir gepicknickt, da ist der Campingplatz u.s.w.

Letztlich wurde mir erst auf dem Schiffdeck bewusst, wie schön unsere Tour gewesen war, und dass es eigentlich gar nicht so viel geregnet hatte.

Links zum Thema:

Köln-Düsseldorfer - http://www.k-d.com/
Campingplatz Goldene Meile - http://www.camping-goldene-meile.de/
Koblenz - http://www.koblenz.de/

August 2003

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